Artikel Wissen

« Zurück

Digitalisierung - Crowdfunding: Gemeinsam stark

19. Februar 2019 | Vermögen

Stiftungsforum Baden-Württemberg 2019

Geld sammeln im Internet – das ist mittlerweile ein internationaler Finanzmarktplatz. Crowdfunding ist schon länger bekannt, doch seit ein paar Jahren entwickelt sich auch Crowdinvesting. Mit der von der BW-Bank unterstützten Plattform Xavin kommen Sportvereine unkompliziert an Kapital.

Alles begann im Jahr 2006 in der amerikanischen Indie-Pop-Szene: Musiker entdeckten die Möglichkeit, ihre Alben mit Kleinstspenden ihrer Fans zu produzieren. Dann kamen die beiden US-amerikanischen Pioniere Indiegogo und Kickstarter, gegründet 2008 und 2009. Sie sind weltweit aktiv und haben bis heute mehr als 930 000 Projekten zur Umsetzung verholfen. Startnext, 2010 gegründet und größte Crowdfunding-Plattform im deutschsprachigen Raum, beziffert die Zahl erfolgreicher Projekte auf 5 035, die mit insgesamt über 47 Millionen Euro realisiert wurden.

Die ersten Tage sind entscheidend

Eine Crowdfunding-Plattform für soziale Initiativen ist bw crowd. Dahinter steht die BW-Bank. Mit ihren starken regionalen Wurzeln liegt ihr ein gesellschaftliches Engagement besonders am Herzen. Bei bw crowd wählt der Unterstützer zwischen verschiedenen Projekten in ganz Baden-Württemberg und erhält – anders als bei reinen Spenden – im Gegenwert seiner Einlage einen Gutschein regionaler Unternehmen.

Nina Gladen, zuständig für die strategische Weiterentwicklung und Vermarktung von bw crowd, erläutert: „Die Beiträge liegen zwischen fünf und 50 Euro und die Sammelphase ist auf 60 Tage begrenzt.“ Die Erfahrungen sind höchst positiv: Die Rate erfolgreich finanzierter Initiativen liege bei über 70 Prozent. „Die ersten Tage sind entscheidend“, ergänzt Nina Gladen. „Nur wenn es realistisch erscheint, die Zielsumme zu erreichen, sind die Geldgeber motiviert.“ Sollte eine Idee scheitern, erhält der Geldgeber seinen Beitrag nicht zurück. Vielmehr wandert dieser auf ein Spendenkonto, von dem monatlich 2.000 Euro nach Verteilerschlüssel an die aktuellen Projekte von bw crowd ausgeschüttet werden. 

Die öffentliche Wahrnehmung zählt

Auch Karsten Ewald, Geschäftsführer des MTV Stuttgart, setzt auf Crowdfinanzierung. „Für Sportvereine“, sagt er, „ist es so gut wie unmöglich, klassische Darlehen zu bekommen. Das liegt alleine schon daran, daß Sicherheiten, die Vereine einbringen könnten, sofern sie überhaupt über werthaltige verfügen, für Banken kaum verwertbar sind. Die Grundstücke beispielsweise, auf denen die Anlagen stehen, sind oft auf Erbpacht vergeben, die Immobilien für eine andere Nutzung ungeeignet.“ Daher stelle eine Finanzierung über die Crowd eine Möglichkeit für Sportvereine dar, um Vorhaben zu realisieren.

Allerdings: Klassisches Crowdfunding war für Ewald keine Option. Vor Jahren schon war er mit einem Versuch gescheitert und nennt auch die Gründe. „Wir sind der größte Sportverein im Großraum Stuttgart, haben rund 9 000 Mitglieder. Doch wir sind auch in vielen Bereichen Dienstleister, betreiben zum Beispiel zwei Fitness-Studios. Darum werden wir in der Öffentlichkeit nicht unbedingt als förderungswürdig wahrgenommen.“ Doch gerade das ist die Basis des Crowdfundings: „Die Einlagen sind klein, es braucht viele Unterstützer“, so Ewald. Die Geldgeber investieren aus Überzeugung, denn eine finanzielle Rendite gibt es nicht.

Investieren statt spenden

Das aktuelle Projekt des MTV Stuttgart: Robinienholz und dickes Tauwerk, vielseitige Klettergeräte – ein Kinderspielplatz, der eine Menge Spaß und Abenteuer verspricht. Im nächsten Jahr, zum 175. Geburtstag des Vereins, soll er fertig sein. Karsten Ewald ist zuversichtlich, dass er den Zeitplan einhalten kann. Das erforderliche Kapital für das Projekt hat er nämlich schon zusammen – mit Hilfe der Crowdinvesting-Plattform Xavin, die von der BW-Bank unterstützt wird.

Beim Crowdinvesting sind die Geldbeträge im Vergleich zum Crowdfunding höher. Und vor allem: Sie werden verzinst. Hierbei gewähren die Anleger ein Nachrangdarlehen, dessen Verzinsung sich häufig nach 

der Höhe der Darlehenssumme bemisst. Seit 2011 ist das auch in Deutschland möglich – und ein Erfolgsmodell, wie die aktuellen Zahlen belegen: Zwischen Januar und September 2017 waren hierzulande 32 Crowdinvesting-Plattformen aktiv. In dieser Zeit wurden Investmentrunden in Höhe von mehr als 125 Millionen Euro erfolgreich abgeschlossen. Das ist eine Steigerung um mehr als das Doppelte gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

82.000 Euro in nur zwölf Tagen

Mit der Kreditplattform Xavin macht die LBBW diese Finanzierungsform nun auch Sportvereinen in ganz Deutschland zugänglich, damit diese ihren Mitgliedern und Unterstützern eine attraktive Anlage bieten können. Xavin ist ein Corporate-Start-up innerhalb des Stuttgarter Activtr-Programms, das Gründer und etablierte Unternehmen zusammenbringt. Im Dezember 2016 sicherte sich ein sechsköpfiges Start-up-Team – vier Mitarbeiter der LBBW und zwei Gründertalente – Gründungskapital im sechsstelligen Eurobereich für die Realisierung von Xavin. Im Mai 2017 wurde das Pilotprojekt abgeschlossen, im August des Jahres ging der MTV Stuttgart als zweites Projekt an den Start. Mit einem beeindruckenden Ergebnis: Innerhalb von nur zwölf Tagen flossen statt der angestrebten 60.000 Euro 82.000 Euro in den Finanzierungstopf. Zwischenzeitlich wurden Projekte mit einem Gesamtfinanzierungsvolumen von knapp 500 T€ über Xavin finanziert. Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfolge wurde Mitte 2018 zusammen mit zwei weiteren renommierten Investoren die Xavin GmbH gegründet. Ziel der Xavin GmbH ist die Erschließung und Nutzung der Marktpotentiale und die konsequente Weiterentwicklung der XavinGeschäftsidee zusammen mit ausgewählten Kunden und Interessenten.

Karsten Ewald weist in diesem Zusammenhang auf die Wichtigkeit der Kommunikationsstrategie hin: „Ein Projekt aufzusetzen, reicht nicht. Wer Anleger mobilisieren will, muss die Botschaft immer wieder unter die Leute bringen.“ Genau das hat er getan – in mehreren „Wellen“, wie er es nennt. Die Bandbreite erstreckte sich von Posts auf der Website und bei Facebook über Newsletter-Beiträge bis zum Tagesordnungspunkt bei der Hauptversammlung und Artikeln im Mitgliedermagazin. 

Von der Bank als Eigenkapital gewertet 

Der Erfolg beim neuen Kinderspielplatz hat Karsten Ewald zu neuen Plänen in Sachen Crowdinvesting ermutigt. Zwei Millionen Euro beträgt die Summe, die für dringende Umbauarbeiten im kommenden Jahr benötigt werden. Auch in diesem Fall setzt Ewald auf Xavin, um damit die Höhe der benötigten Mittel zu senken: „Die Gelder aus einem erfolgreichen Crowdinvesting werden aufgrund ihrer Eigenschaft als Nachrangdarlehen typischerweise von Banken wie Eigenkapital behandelt. Für uns hat dies in doppelter Hinsicht Vorteile: wir reduzieren Finanzierungslücken bei Projekten und stärken durch den EigenkapitalCharakter der eingeworbenen Mittel sogar unsere Verhandlungsposition in Gesprächen mit Banken, wenn wir Kredite beantragen.

Für mehr Informationen zu diesem Thema besuchen Sie gerne auch das 1. Stiftungsforum Baden-Württemberg am 27. Februar 2019 in der BW-Bank

Stuttgart BW-Bank / Baden-Württembergische Bank

Kontakt

Baden-Württembergische Bank
Stiftungsmanagement
Kleiner Schlossplatz 11
70173 Stuttgart

Themen

Kooperations- & Medienpartner

© 2019 »Wir tun Gutes« Stiftungsführer, Michel und Stich GmbH
Alle Rechte vorbehalten