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Mit den Clowndoktoren auf Humorvisite

23. Januar 2020 | Kinder & Familie

Ist Lachen die beste Medizin?

Dieser Frage ging 2016 ein Forschungsteam in der Universitätsklinik Greifswald nach und versuchte mit wissenschaftlichen Methoden die heilende Wirkung von Clownseinsätzen in der Kinderklinik nachzuweisen.

Um es vorwegzunehmen: Die biochemischen Untersuchungsergebnisse waren eindeutig. Der Oxytocin-Spiegel der Kinder, die regelmäßig Besuch von Klinikclowns erhalten haben, lag etwa um ein Drittel höher als bei den Kindern, die keinen Clownsbesuch erhielten. Oxytocin ist weitläufig als das „Glücks-“ oder auch „Kuschelhormon“ bekannt. Etwa weil es uns hilft, Stress und Angst zu reduzieren, Aggressionen zu verringern und sich geborgener zu fühlen. Gleichzeitig berichteten die Eltern, dass sich die Kinder nach den Clownsvisiten deutlich wohler fühlten, was sich positiv auf sie selbst auswirkte, sodass sie ihre Kinder entspannter durch den Klinikalltag begleiten konnten. Aber auch für das Klinikpersonal stellte der Besuch der Clowns eine willkommene Abwechslung da.

Start in der Wiesbadener Dr.-Horst-Schmidt-Klinik

Schon 1986 erkannte Michael Christensen, Mitbegründer des New Yorker Big Apple Circus, die heilende Wirkung des Clown Doctoring und entsandte Clowndoktoren als Mitglieder der Clown Care Unit zu kranken Kindern in Kliniken. Inspiriert von dieser selbstschöpferischen Idee gelang es einer dieser Klinikclowns, Laura Fernandez, auch in Deutschland Clowndoktoren zu etablieren.

In der Wiesbadener Dr.-Horst-Schmidt-Klinik fand sie 1993 in Prof. Dr. med. Michael Albani, dem damaligen Leiter der Kinderklinik, einen aufgeschlossenen Förderer dieser Idee. Schnell nahmen dort die Clowndoktoren einen festen Platz im Herzen der Kinder, der Eltern sowie der Pfleger- und Ärzteschaft ein. Und nur einige Monate später, im Jahr 1994, war es dann soweit: Der Verein DIE CLOWN DOKTOREN E. V. wurde gegründet und legte damit den Grundstein für das Clown Doctoring in Deutschland.

Heute sind Dr. Pille-Palle, Dr. Pustekuchen und Dr. Johannis Kraut zusammen mit ihren 30 weiteren Kolleginnen und Kollegen von DIE CLOWN DOKTOREN E. V. in mittlerweile 15 Kinderkliniken, zehn Altenheimen und einem Kinderhospiz im Rhein-Main-Gebiet, in Mittelhessen sowie in Rheinland-Pfalz aktiv. Das Besondere: Die Clowndoktoren sind freiberuflich tätige Künstler, die für ihre sensible Aufgabe eine besondere langjährige Ausbildung absolviert haben. Ihre Humorvisiten, die sich nur durch Spenden finanzieren, finden stets in enger Abstimmung mit dem medizinischen Pflegepersonal statt.

Heilsame Humorvisiten

Die Clowns bringen mit Improvisationen, Puppenspiel, Musik und Pantomime den Kindern regelmäßig an zwei Tagen in der Woche Freude ans Krankenbett. Durch die Einbeziehung der kleinen Patienten in ihre Späße unterstützen und fördern sie die gesunde, spielerische Seite der Kinder, aktivieren deren Selbstheilungskräfte und unterstützen somit die medizinische Therapie durch die Kraft des Humors.

Die Regelmäßigkeit der Clowndoktorenvisiten ist neben der heilsamen Wirkung von Lachen und Humor für kranke und schwerkranke Kinder besonders wichtig. Viele der kleinen Patienten wissen genau, wann „ihr“ Clowndoktor wieder da sein wird und freuen sich darauf; andere üben kleine Zaubertricks, um die Clowns bei ihrer nächsten Visite zu verblüff en. Oft sind es aber auch die Eltern, die darauf warten, dass die Clowndoktoren Angst und Schmerz für eine kleine Weile aus dem Krankenzimmer verscheuchen.

Mit Musik und Gesang im Altenheim

Seit 2009 kommt die wohltuende Wirkung von Lachen und Humor auch älteren Menschen zugute: Die Besuche der Clowndoktoren wurden auf Pflegeeinrichtungen ausgedehnt – immer mit Spaß, Gesang und schwungvoller Musik im Gepäck. Das Wohlbefinden der alten und meist chronisch kranken Menschen zu fördern, steht dabei im Mittelpunkt der Arbeit der speziell für diese Zielgruppe ausgebildeten Clowndoktoren. Auch an Demenz erkrankte Menschen werden durch die Humorvisiten vielseitig motiviert. Sie wirken zuversichtlicher und gelöster im Pflegealltag. Die Clowndoktoren brechen routinierte Tagesabläufe spielerisch auf, schaffen menschliche Nähe und nehmen der Macht der Krankheit für einen Moment auch hier den Schrecken.

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