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Toni Kroos: Kinderaugen zum Leuchten bringen

14. Dezember 2018 | Interview
Foto: Ilona Kozlowska

Weltmeister, vierfacher Champions-League-Sieger, Mittelfeldstratege in der deutschen Nationalmannschaft und bei Real Madrid: Toni Kroos hat sich im Fußball viele Träume erfüllt. Stolz empfindet er aber vor allem, wenn er Anerkennung für sein soziales Engagement erhält. Im Interview spricht Toni Kroos über die Entwicklung seiner Stiftung, den Spagat zwischen seinen Verpflichtungen im Fußball, dem Vatersein und seinem persönlichen Engagement für schwer kranke Kinder.

Toni Kroos, wie sind Sie damals auf die Idee gekommen, eine Stiftung zu gründen

Ich habe schon vor langer Zeit gemerkt, dass es uns durch den Fußball besser geht als vielen anderen Menschen. Daher trug ich den Wunsch, sozial aktiv zu werden, schon länger in mir. Und irgendwann ist die Idee in mir gereift, eine eigene Stiftung zu gründen.

Gab es einen konkreten Anlass, der Sie dann auf das Stiftungsziel gebracht hat?

Wir besuchen mit Real Madrid vor Weihnachten immer ein Krankenhaus, das Hospital Universitario La Paz. Dort habe ich gesehen, wie sich die Kinder über unseren Besuch gefreut und ihre Augen geleuchtet haben. Zudem ist mir aufgefallen, dass für die Kinder gut gesorgt wird – die Geschwister und die Familien allerdings meist zu wenig Unterstützung erfahren. Obwohl sie auch sehr unter dieser Situation leiden.

Im Sommer 2015 begann die Arbeit der Stiftung. Wie hat sich die Idee seitdem entwickelt?

Sehr positiv. Wir konnten viele unserer Vorhaben erfolgreich umsetzen. Zudem haben wir es mit der Unterstützung der vielen Spender geschafft, den von uns unterstützten Einrichtungen direkt mit Kletterwänden, Autos etc. zu helfen und verschiedene Events vor Ort ausge richtet, beispielsweise Public Viewing zur EM 2016 und der WM 2018, ein Fußballfest im Sonnenhof Berlin oder einen Familientag für das Regenbogenland in Düsseldorf.

Jessy sammelt alle Infos, Neuigkeiten und Anfragen, die sie von unserer Mitarbeiterin Claudia bekommt, und gibt sie mir dann in zusammengefasster Form weiter. Dank ihrer Unterstützung bin ich in der Lage, mir relativ schnell eine Meinung zu bilden und in genauer Kenntnis der Situation zu entscheiden. Da sie als meine Frau weiß, wie ich denke, kann sie auch ab und an kleinere Angelegenheiten in meinem Sinne abarbeiten.

Und wie muss man sich die Arbeitsabläufe vorstellen

Es funktioniert, weil wir mit unseren beiden Mitarbeiterinnen Claudia und Andrea ständig im Austausch sind. Jede Anfrage und Idee wird direkt an uns herangetragen und so können wir uns ein gutes Bild von der Situation der verschiedenen Familien machen. Am Ende entscheide ich dann zusammen mit dem Vorstand über das weitere Vorgehen. Natürlich treffen wir uns auch in regelmäßigen Abständen in Deutschland oder Madrid, wo wir gemeinsam Ideen für die Zukunft entwickeln.

Was waren für dich die schönsten Momente und stärksten Erinnerungen in der Arbeit mit der Stiftung?

Ganz klar: Meine Besuche vor Ort in den von uns betreuten Einrichtungen. Zuletzt war ich im März im Sonnenhof in Berlin, diese Gelegenheit hatte sich durch das Länderspiel gegen Brasilien ergeben. Dieses Gefühl, diese positive Grundstimmung, die ich in den Hospizen erlebt habe, hat mich bewegt und sehr positiv überrascht – bei aller Traurigkeit einzelner Schicksale. Zu erleben, wie man beispielsweise bei einem Besuch im Kinderkrankenhaus die Kids nur durch die eigene bloße Anwesenheit glücklich machen kann, ist besonders schön. Man merkt einfach, dass es genau das Richtige ist, was man gerade macht.

Ist die Arbeit mit der Stiftung für dich eine willkommene Abwechslung zum Fußball-Business?

Unabhängig davon macht es mir einfach großen Spaß, Menschen zu helfen und vor allem Menschen, denen es nicht gut geht. Es ist schon so, dass es einem manchmal zeigt, was wirklich im Leben wichtig ist, und dass ein verlorenes Fußballspiel im Vergleich dazu völlig unbedeutend ist.

Machst du dir schon Gedanken darüber, wie sich deine Arbeit für die Stiftung verändern wird, wenn du nicht mehr aktiv Fußball spielst?

Es wird sicher ein Unterschied sein, dass ich noch aktiver werden kann, da ich dann auch vor Ort in Deutschland bin und noch öfter persönlich in den Einrichtungen oder bei einzelnen Familien vorbeischauen kann. Wir haben noch eine Menge vor.

Das Interview wurde geführt von Maximilian Geis.

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