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Natalia Wörner: Engagement, das Kinder stark macht

07. Februar 2020 | Interview
Foto: © Ralf Guenther

Sie engagieren sich seit vielen Jahren sozial – und haben auch das Bundesverdienstkreuz für Ihr Engagement verliehen bekommen. Gab es ein Schlüsselerlebnis, das Sie dazu bewegt hat?

Anlass für mich war die Tsunami-Katastrophe vor 15 Jahren. Damals war ich in Thailand in Khao Lak mitten im Geschehen und habe die Zerstörung und die Verzweiflung der Menschen miterlebt. Das war und ist in meinem Leben eine Zäsur, die vieles verändert hat.

Gibt es ein Thema oder ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ich hatte das große Glück, bereits einige Projekte der Kindernothilfe besuchen zu können. Da einen Favoriten auszuwählen, ist fast unmöglich. Die Projekte und Themen, mit denen die Menschen konfrontiert sind, sind – so unterschiedlich sie auch sind – alle wichtig. Auch für mich. Doch das Wichtigste, in meinen Augen, ist, die langfristige Entwicklung in den Blick zu nehmen. Oft sieht man die konkreten Ergebnisse nicht so leicht und so schnell wie etwa in den Gebieten Ostafrikas, die immer wieder von Dürren heimgesucht werden. Doch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit muss auch auf wichtige Dinge gelegt werden, wenn das Medieninteresse schon wieder abgeebbt ist.

Was bedeuten diese Projektreisen für Sie?

Ich empfinde es als großes Privileg, die Projekte besuchen zu können und dass die Menschen vor Ort sich uns als Besuchern gegenüber öffnen. Sie gewähren uns ja nicht nur Einblick in ihren Alltag, sondern auch in ihre oft schweren Schicksale. In Kenia habe ich ein ganz besonderes Mädchen erlebt, das mit nur vier Jahren schlimme Vergewaltigungen und anschließende Operationen überlebt hat und nun wieder mit offenem Lachen durch das Schutzhaus des Projekts rannte und spielte, das wird mich mein Leben lang begleiten. Ich habe so viele starke und mutige Kinder getroffen – das macht mir Hoffnung auf die Zukunft. Denn die Arbeit in den Projekten der Kindernothilfe schafft es, diese Kinder stark zu machen für ihren weiteren Weg – das führt langfristig zu Veränderungen in der Gesellschaft.

Sehen Sie sich als Vorbild?

Ich würde mich freuen, wenn ich durch meine Tätigkeit Menschen für die Kinderrechte und die harten Lebensrealitäten, mit denen ein Großteil der Menschheit fertig werden muss, sensibilisieren kann. Jeder Mensch kann sich mit seinen Möglichkeiten einsetzen. Und jeder sollte spüren, dass es bereichernd sein kann, zu helfen. Jede Hilfe im Kleinen, jedes gute Wort, jeder unterstützende Euro ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Als Schauspielerin schlüpfen Sie in unterschiedliche Rollen. Wenn Sie in den Projekten unterwegs sind, können Sie ganz Sie selbst sein, oder nehmen Sie eine bestimmte Rolle ein?

Ich habe natürlich die Rolle als Botschafterin der Kindernothilfe. Aber das ist keine Rolle, die ich annehmen muss, denn mein Engagement ist mir so wichtig, dass mir das schon in Fleisch und Blut übergegangen ist. Es ist ein natürlicher Teil von meinem Leben. Und wenn man den Menschen in den Projekten begegnet, Menschen die in ärmsten Verhältnissen leben und trotzdem so offen und herzlich sind, verliert man ganz schnell jede Maske.

Als Schauspielerin gehört es zu Ihrem Job, zu medienwirksamen Veranstaltungen zu gehen, über rote Teppiche zu laufen, im Rampenlicht zu stehen. Erdet Sie das soziale Engagement?

Durch mein Engagement für die Kindernothilfe schärfe ich auf jeden Fall meinen Blick für das Wesentliche. Ich erlebe durch unsere Reisen Lebensrealitäten, die mich nicht mehr loslassen und mich in meinem Einsatz immer wieder bestärken.

Sie haben 2016 das Bundesverdienstkreuz für Ihr langjähriges Engagement für die Kindernothilfe erhalten. Was bedeutet das für Sie?

Ich habe mich über diese Auszeichnung sehr gefreut. Aber es ist nichts, auf dem ich mich ausruhen möchte. Es spornt mich an, weiterzumachen, Menschen zu helfen und der Öffentlichkeit zu Hause einen Einblick in eine andere Welt zu geben. Natürlich mit der Hoffnung verbunden, dass ich andere dazu motivieren kann, nicht wegzusehen.

Bei der Kindernothilfe gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich zu engagieren. Unter anderem auch eine Stiftung. Was halten Sie von der Möglichkeit, zu stiften?

Ich finde es eine großartige Sache. Langfristigkeit ist dabei das Stichwort. Über eine Stiftung wird eine langfristige Planung für die Zukunft möglich. Veränderungen brauchen ihre Zeit. Auch in Projekten, wie sie die Kindernothilfe unterstützt.

Die Kindernothilfe wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Gibt es etwas, das Sie der Organisation wünschen?

Ich wünsche der Kindernothilfe, dass sie weiter so gute Arbeit leistet wie bisher. Ich wünsche ihr, dass sie die Kinderrechte überall durchsetzen kann und sich somit auch in Zukunft das Leben vieler Mädchen und Jungen zum Positiven wandeln wird. Und ich wünsche der Kindernothilfe weiterhin engagierte Unterstützer, die die Welt verändern möchten.

Das Interview führte Katharina Drzisga.

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