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Katarina Witt: Ein bisschen Glück für alle

25. März 2020 | Interview
Foto: © Postcode Lotterie / Marco Urban

Die zweifache Olympiasiegerin und Eiskunstlauflegende engagiert sich sozial in vielen Bereichen, ihre eigene Stiftung gründete sie bereits vor 15 Jahren. Katarina Witt empfindet große Dankbarkeit, dass sie gemeinsam mit einem engagierten Team Kinder und Jugendliche mit körperlichen Behinderungen unterstützen kann, getreu dem Motto „Gemeinsam mehr bewegen“. Seit 2016 ist sie internationale Botschafterin der Deutschen Postcode Lotterie. Teil der Soziallotterie zu sein, ist für sie ein Herzensprojekt.

Frau Witt, warum haben Sie sich entschieden, eine eigene Stiftung zu gründen?

Der Vorteil einer eigenen Stiftung besteht für mich darin, dass ich frei entscheiden kann, wo man unterstützt und sich vor allen Dingen gezielt einbringt. Einer der bewegendsten Momente in meinem Leben war mein allererster Olympiasieg in Sarajevo. Er wird mir wohl immer in Erinnerung bleiben. Das Adrenalin, die jubelnden Menschen und diese unbeschreibliche Freude sind einfach unvergesslich. Das Thema Freude steht dabei heute ganz eng im Zusammenhang mit meiner Stiftungsarbeit und meinem Wunsch, etwas zurückzugeben. Das heißt, ich unterstütze im Bereich Sportförderung auch vier, fünf Projekte in Sarajevo. Ich fühle mich nach wie vor emotional sehr verbunden mit den Menschen dort. Dann dort helfen zu können, und das über mehrere Jahre, ist ein echter Glücksfall.

Was ist das Besondere an der Katarina Witt-Stiftung?

Es ist eine kleine Stiftung mit kurzen Wegen und gleichzeitig tollen Erfolgen. Mittlerweile kennen viele unsere Arbeit. Wir sind gut vernetzt und werden zum Teil von anderen Förderern angeschrieben, die etwa ein Projekt nicht mehr unterstützen können. Dann springen wir gerne ein – oft ganz schnell, unkompliziert und unbürokratisch. Gleichzeitig sind uns aber auch langfristige Unterstützungen sehr wichtig. Denn manche Projekte brauchen einfach über mehrere Jahre die Garantie einer bestimmten Förderung und so entstehen auch sehr persönliche Bindungen.

Wo sehen Sie eher Ihren Schwerpunkt – in der Förderung von Einzelschicksalen oder bei langfristigen Projekten, die zum Beispiel viele Kinder gleichzeitig unterstützen?

Diese Unterscheidung finde ich schwierig. Ob Einzelschicksal oder langfristiges Gemeinschaftsprojekt, ich habe das Glück, beides fördern zu können. Oft sind sie auch miteinander verknüpft: So wurde aus unserer Unterstützung von David Lebuser, der vor mehreren Jahren als Jugendlicher mit WCMX – also Wheelchair Motocross – angefangen hat, eine dynamische WCMX­-Bewegung in Deutschland. So konnten wir mittlerweile mehrere ihrer Meisterschaften unterstützen und mitfi nanzieren. Für mich ist es als Schirmherrin von solchen Projekten so schön zu sehen, wie etwas kleiner anfängt und daraus plötzlich eine echte Gruppenbewegung wird. Der Antrieb, die Motivation und die Gemeinschaft, die bei den jungen Teilnehmern entstanden sind – das geht mir einfach ans Herz. Und mich begeistert es jedes Mal, welch neugewonnene Selbstständigkeit die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung durch den Sport erreichen.

Diese Begeisterung für Gemeinschaft findet sich auch in Ihrer Zusammenarbeit mit der Deutschen Postcode Lotterie wieder. Hier gewinnen Nachbarn mit Nachbarn und gleichzeitig tun alle gemeinsam mit ihren Losen Gutes – was motiviert Sie als Botschafterin der Soziallotterie?

Als die Postcode Lotterie mit der Frage auf mich zugekommen ist, ob ich als Glücksbotin im Einsatz sein will, habe ich gleich Ja gesagt. Ich finde das Konzept so unglaublich gut. Die Devise ,Gemeinsam gewinnen, gemeinsam helfen‘ verbindet die Freude der Menschen am Gewinn, mit der Freude zu teilen. Von jedem Losbeitrag gehen 30 Prozent an Projekte, die Mensch und Natur fördern. So sieht für mich echte Gemeinschaft aus, zusammen an einem Strang ziehen, sozialen Zusammenhalt, Chancengleichheit und die Umwelt unterstützen. Als Botschafterin der Soziallotterie engagiere ich mich mit voller Begeisterung – denn je mehr bei der Postcode Lotterie mitmachen, umso höhere Summen gehen deutschlandweit an große und kleine Förderprojekte.

Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?

Menschen mit Beeinträchtigungen brauchen nicht unser Mitleid, sie brauchen Integration. Möchten so akzeptiert werden, wie sie sind. Wenn wir selbstverständlich, ohne Vorbehalte, auf sie zugehen, dann sind alle Menschen wirklich integriert. Dabei können wir helfen. In Form von Rollstühlen, Saison-­Unterstützung von Sport­-Teams, Förderung von Events, um Aufmerksamkeit und Respekt zu generieren, mit integrativen Kletterwänden und Reittherapien, Spielgeräten und ganzen Spielplätzen, die barrierefrei sind und die die Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen und deren Mobilität fördern. Gelebte Integration, wie dieses Jahr beim Para Ice Hockey und der WCMX, das ist wichtig – dabei sind mir die Athleten besonders ans Herz gewachsen. Als Schirmherrin für Kick on Ice und andere Events bin ich jederzeit, auch wenn es wirklich eng im Kalender aussieht, für die Kinder und Jugendlichen und deren Bedürfnisse ansprechbar. Seit der Gründung der Katarina Witt-Stiftung in 2006 konnten wir bereits über 500 Projekte in Deutschland und weltweit fördern und unterstützen, das auch mit Hilfe der Postcode Lotterie. Ich bin unsagbar dankbar dafür und gern als internationale Botschafterin für die Soziallotterie unterwegs – als Teil dieser wirklich herzlichen Familie.

Was war einer der schönsten Momente im Rahmen Ihrer bisherigen Stiftungsarbeit?

Mir liegt wirklich viel am Thema Sportförderung. Aber wir leisten auch Katastrophenhilfe und unterstützen die medizinische Versorgung von Kindern mit Behinderungen. Einem Mädchen aus der Ukraine konnten wir durch einen medizinischen Eingriff wieder zum Gehen und Weiterleben verhelfen. Die OP lief in Deutschland ab, wir haben sie – zusammen mit anderen Stiftern – unterstützt. Ihre Prognosen ohne die Operation standen so unglaublich schlecht und nun kann sie wieder laufen, ein ganz normales Leben führen. Das war ein solch ergreifender Moment, mir kommen jedes Mal die Tränen, wenn ich darüber spreche. Von meiner Seite aus ist da einfach eine große Dankbarkeit, dass ich Menschen unterstützen kann, dass wir helfen können.

Wie übertragen Sie „Gutes tun“ in Ihren privaten Alltag?

Freundlich ‚Guten Tag‘ sagen, nicht vordrängeln, sich bedanken, wenn ein Autofahrer mich in die Lü­cke lässt, einfach respektvoll miteinander umgehen. Das sind kleine, aber wichtige Dinge. Alles höfliche Gesten, die aber den Alltag für uns und unsere Umgebung ein Stückchen besser machen. Das Wissen, dass ich eher auf der Sonnenseite des Lebens stehe, lässt mich zum einem erst mal eher dankbar sein, statt mit den Dingen zu hadern, die das Leben komplizierter machen. Dadurch gehe ich schon mal fröhlicher und optimistischer durch den Tag und ich glaube, das strahlt immer etwas Grundpositives aus. Und selbstverständlich bin ich mittlerweile fast jede Woche für meine Stiftung engagiert. Das ist mein Alltag, neben zahlreichen beruflichen Verpflichtungen. Es ist mir ein Herzens­-Bedürfnis zurückzugeben und ich bin wirklich froh, dass ich weiß, dass jeden Tag im Jahr jemand ein Stück mobiler ist, weil es die Katarina Witt-Stiftung gibt.

Sie sind eine der erfolgreichsten Eiskunstläuferinnen aller Zeiten. Was bedeutet Erfolg für Sie?

Mein Erfolg als Eiskunstläuferin strahlt glücklicherweise bis in die Gegenwart hinein. Dieser war selbstverständlich hart erarbeitet und die Medaillen und ersten Plätze sind für einen Leistungssportler das ,Überlebenselixer‘, um sich täglich, wöchentlich, monatlich und jährlich für das schonungslose Training zu motivieren. Für die heutige Zeit gibt mir dieser Erfolg aus der Vergangenheit für viele meiner Aufgaben wiederum etwas Entspanntes. Ich brauche nirgendwo mehr zu gewinnen, aber ich verlange mir selbst immer das Beste ab.

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