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Weckruf: Ideale verkauft – Träume verloren?

13. Februar 2020 | Gesellschaft
Zeit der Rebellion / Foto: © Klaus Fasold

Worauf wollen Jugendliche nicht für eine Woche verzichten?

54% auf das Handy – vielleicht dabei das Zuhören verlernt?!

Die 1968-er - die Zeit der Parolen, Utopien, Träume, Rebellion, der Revolution auch in der Kunst – die Zeit des Kampfes für Visionen. Wir müssen handeln, es wird Zeit etwas für die Überzeugung zu tun.

Eine rebellionsfreudige junge Generation kämpft gegen verhärmte alte Strukturen.

Antiautoritär war das Schlagwort der Studentenbewegung gegen die „Herrschaft von Menschen über Menschen“.

Integration als aktuelles Beispiel der Flüchtlingsthematik – der Integrierte galt noch z.B. in einem Buch von Umberto Eco als der Angepasste, der Korrumpierte. Frage: Braucht es nicht in der Tat ein gewisses Maß an Desintegration, damit sich eine Gesellschaft eine Kultur, auch einmal kritisch von außen betrachten kann?

Nichts spiegelt die Zeit besser wieder als die Veränderung in der Musik – der traditionsreiche deutsche Schlager wird ersetzt durch die rockigen und gitarrenlastigen Klänge der Hippie-und Beatnikbewegung. Der Erfolg der Rolling Stones und Beatles wird zum Sinnbild des Aufbegehrens gegen Konventionen und zieht damit den Hass der Eltern auf sich.

"We Shall Overcome" - ein Song, der in den USA den gewaltlosen Widerstand Martin Luther Kings gegen die Apartheid begleitet.

Es ist sicher keine Frage, dass die 1968-er eine Reihe gesellschaftlicher Veränderungen bewirkten. Auch wenn Kritiker ihnen vorwerfen, Drogen, Kindermangel, Familienkrise, Bildungsnotstand und Werteverfall seien die Folgen von 1968.

Der lange Weg zur deutschen Einheit bis zum Mauerfall 1989, die Gründung der Europäischen Union - Beispiele, wie Generationen ihre politischen Träume auch gelebt haben.

Die Frage, die sich stellt ist vielmehr: Wo sind sie geblieben, die Ideale von damals?

Anspruchsdenken, gesicherte Renten und Lebensversicherungen, Doppeleinkommen, Haus mit Garten und Biodiesel scheinen sie längst verdrängt zu haben.

Oder sind sie vielleicht weiter gegeben an die nächsten Generationen? Eher nicht.

Die Generation der sogenannten Babyboomer musste für ihr Lebensgefühl, ihre Musik, ihre Mode, ihre Sprache nicht kämpfen - im Gegenteil. Veränderung der Welt durch Konsum statt Überzeugungskraft war das Motto der ersten Lebenshälfte und Kapitalvermehrung für die zweite Lebenshälfte das Ziel. Die gesellschaftlichen Folgen: Jetzt, da diese Generation um die fünfzig ist, ist Europa bedroht wie noch nie.

Von der Politik ist – wie immer – nicht viel zu erwarten

Zitat FAZ: „Die Generation von Merkel, Sarkozy ... die unsere Gesellschaft definiert hat keinen Krieg überlebt oder verhindert, keinen neuen Planeten betreten, und auch nicht die Rockmusik erfunden. Trotzdem hält sie sich für den Sieger am Ende der Geschichte und will partout nicht alt werden, vor allem aber keinen neuen Entwurf zulasse“.

Und mit der Generation Y sieht es kaum besser aus

Von Geburt an gewohnt ist, im Mittelpunkt zu stehen und umsorgt zu werden: „Möchtest du Fußball spielen oder Tennis oder doch lieber Geige?“ Eine Generation, die sich wenig belastbar zeigt. Schon im Studium stoßen viele an ihre Grenzen: Burnout, Schlafstörungen, Prüfungsängste, psychische Erkrankungen, das alles findet sich in nie gekanntem Ausmaß. Das nächste Sabbatical oder die nächste Elternauszeit schon im Blick – vom Weichei zum Hoffnungsträger? Eher nicht - Kampfbereitschaft für Veränderung kann man an dieser Stelle kaum erwarten.

Fazit: Ideale verkauft – Träume verloren!

Entsprechend sieht die Welt aus: Immer wieder Kriege, Armut, Hunger, Flüchtlinge ... erschütternder Alltag.

Globale Probleme zeigen deutlich, wie unsere Wohlstandsgesellschaft (nicht) damit umgeht, keine Lösungen findet, schon gar nicht politische.

Das Aufbegehren für Presse- und Meinungsfreiheit, das Aufdecken von Gräueltaten wird mit Gefängnis bestraft (s. Bradley Manning) und gleichzeitig werden die Verantwortlichen solcher Taten belohnt (z.B. die Beförderung des Oberst Klein zum Brigadegeneral).

„Bewerte Deine Erfolge daran, was Du aufgeben musstest, um sie zu erzielen.“ (Dalai Lama)

Was also sind danach die materiellen Erfolge wert, für die Ideale sterben mussten?

We shall overcome ... someday ... dieser Tag scheint – leider – wieder weiter entfernt denn je.

Keine rosigen Perspektiven auch für die Kinder der Y-psilons – Fortsetzung der Überhütung gepaart mit hohen Erwartungshaltungen und zunehmendem Leistungsdruck in der Schule treibt Kinder schon im Grundschulalter in die Überforderung bis hin zu Versagensängsten.

Prekarität kennzeichnet zunehmend die junge Generation, es fehlt an Hoffnung und Glauben an die Zukunft und damit auch an Bereitschaftt zur Auflehnung. Ein normales Leben in den Städten wie Paris, Rom, Madrid, London können sich junge Menschen schon gar nicht mehr leisten.

Die Generation Z – die Selfie-Generation – die neuen Unentschlossenen geprägt von neuen Werten. Für sie ist die Work-Life-Balance wichtiger als Karriere. Laut einer Barkley-Studie sind gute Noten für 85% das wichtigste Thema, weit vor einer Beziehung. Typische Lebensschritte wie heiraten, Familie gründen werden auf irgendwann verschoben. Nur das Hier und Jetzt zählt und da ist das Erscheinungsbild extrem wichtig.

Und in der Wirtschaft wurde schon 2015 das – leider ohnehin meist inhaltsleere – Schlagwort Nachhaltigkeit durch das Unwort Disruption ersetzt.

Wie lässt sich vor diesem Gesamtszenario eine gesunde Kampfbereitschaft für Veränderungen wecken, den Willen, für die eigene Überzeugung, aber auch für andere Menschen etwas zu tun?

Die Perspektive entscheidet

Vielleicht als erstes Dinge mal anders, aus verschiedenen Perspektiven sehen und daraus Handlungen ableiten – oder wie es der Dalai Lama formuliert „nach den Prinzipien der rechten Anschauung und des rechten Handelns vorgehen“?

Die Möglichkeiten, die Welt und sich selbst auf diesem Weg neu zu entdecken sind mehr als vielfältig.

Warum also zum Beispiel die Welt nicht öfter einmal aus Kinderaugen sehen? Denn schließlich hat schon Erich Kästner ganz richtig festgestellt „Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch“. Wer würde jemals die Antwort einer indischen Slumschülerin auf die Frage „Was bedeutet für Dich Schule“ vergessen: „Ausbildung ist das Juwel in der Krone des Lebens“. Die Antworten deutscher Schüler fallen sicher deutlich weniger prosaisch aus. Oder den Kommentar einer 12-jährigen Afrikanerin, die unter Schmerzen vor einer sehr schweren Operation eine deutsche Klink betritt und angesichts anderer Patienten feststellt: „Dagegen geht es mir doch gut“. Und auf welchem Niveau wird bei uns gejammert?

Warum die Welt nicht immer nur aus dem eigenen, oft von Vorurteilen oder auch mangelndem Wissen geprägten Blickwinkel sehen, sondern vielmehr aus der Perspektive Anderer betrachten? Die Erkenntnisse und vor allem die sich daraus ergebenden Handlungsansätze wären bestens geeignet, sich selbst und die Welt zu verändern. So sind – nicht nur – die Menschen vieler afrikanischer Länder es leid, mit fast kolonialistischer Überheblichkeit als die armen Afrikaner betrachtet zu werden, mindestens ebenso leid wie die vielen sinnlosen Charity-Aktivitäten, die sie dementsprechend über sich ergehen lassen müssen.

Oder – durchaus auch eine Parallele zur Flüchtlingsdiskussion: Endlich wieder Grenzen ziehen – nein, keine aus Stacheldraht und auch keine Grenzen dicht machen, sondern gesellschaftliche Grenzen angefangen in der Erziehung statt Helikoptering z.B. in Form eines simplen „bis hierher und nicht weiter“. Wozu gibt es denn in der Politik Abkommen, wie Schengen, Maastricht, Dublin, wenn sich keiner daran hält?

Mein persönliches Fazit

Die einzige Chance liegt darin, dass die Menschen zurück finden zu ihren Träumen, ihren Visionen und bereit sind dafür zu kämpfen. Denn es ist nie zu früh und selten zu spät - oder „Die Welt braucht keine neuen Maßnahmen, sonder neue Gesinnungen“ (Albert Schweitzer).

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