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Benjamin Wendel: „Stiftungen brauchen unkorrelierte, kalkulierbare Erträge.“

18. November 2019 | Finanzen
Benjamin Wendel, Relationship Manager beim Frankfurter Asset Manager Lupus alpha

Stiftungsvermögen suchen angesichts des Renditenotstands auf den Zinsmärkten, wachsenden Unbehagens an den Aktienmärkten sowie steigender Korrelationen zwischen beiden Anlageklassen nach neuen Wegen, sich zu vernünftigen Risiken in neue Anlageklassen zu diversifizieren. Nicht-liquide, so genannte Private Assets wie Infrastruktur, Immobilien oder Private Equity haben sich in den vergangenen Jahren deshalb einer stetig wachsenden Nachfrage erfreut, gelten aber als zunehmend überlaufen. Der Frankfurter Asset Manager Lupus alpha hat sich unter anderem auf liquide alternative Investmentkonzepte spezialisiert, die einen innovativen Beitrag zur weiteren Portfolio-Diversifikation leisten können.

Lupus alpha arbeitet seit Jahren eng mit Stiftungen zusammen. Wie gehen sie dabei vor und worauf legen Sie Ihre Schwerpunkte?

Unser Fokus liegt darauf, in einer Welt ohne Zins und mit hohen Korrelationen Alternativen neben den klassischen Anlageklassen anzubieten. Damit leisten wir unseren Beitrag für eine stabile Vermögensanlage mit verlässlichen laufenden Erträgen. Stiftungen finden bei Lupus alpha bereits seit mehr als 19 Jahren spezialisierte Investmentlösungen, für die ein ganz besonderes Know-how erforderlich ist, die nicht einfach zu kopieren und nur bedingt skalierbar sind. Die großen Asset Klassen überlassen wir den Vollsortimentern, weil wir glauben, dass wir vor allem mit Strategien, die sich auf Nischensegmenten mit geringer Markteffizienz konzentrieren, echten Mehrwert bieten können.

Was unterscheidet Sie als Asset-Manager von Banken in der Stiftungsberatung?

Gerade bei kleineren Stiftungen, die sich häufig aus einem Private-Banking-Mandat heraus bilden, beginnt die Beratung einer Bank sehr häufig schon bei der Gründung einer Stiftung – von der Formulierung von Stiftungszweck und -Satzung bis hin zur Berufung und Steuerung der Gremien. Meist liegt der Auftrag der Bank nach Gründung in der weiteren operativen Verwaltung der Stiftung an sich. Dabei sieht die Bank ihre Kompetenz auch in der Erstellung von Anlagerichtlinien, der strategischen Vermögensverteilung und der Strukturierung der Anlageklassen.

Wir kommen ins Spiel, wenn wir die Stiftung überzeugen können, dass unsere sehr spezialisierten, innovativen Strategien einen Weg zu einer breiteren und tieferen Diversifizierung der Kapitalanlagen öffnen und so bei der Optimierung des Risiko-Rendite-Profils ihres Gesamtvermögens helfen. Insofern erleben wir uns und die Bank als Partner, die in unterschiedlichen Disziplinen gemeinsam am Erfolg einer Stiftung arbeiten. Das klappt auch deshalb gut, weil wir als eigentümergeführter, mittelständischer und unabhängiger Spezialanbieter meist sehr schnell einen guten Draht zum Stifter haben.

Gibt es Anlageformen, die speziell auf Stiftungen zugeschnitten sind?

Stiftungen haben gegenüber vielen anderen institutionellen Vermögen – vor allem Altersvorsorge-Einrichtungen – den großen Vorteil, dass sie weit größere Freiheiten in der Auswahl und Gewichtung ihrer Anlageformen haben. Auch sind die Stiftungszwecke und damit die Anforderungen an die Kapitalanlage teils sehr verschieden. Allen gemein ist aber, dass das wichtigste Ziel des Vermögenserhalts hohe Anforderungen an die Diversifizierung stellt. Zudem wird der Stiftungszweck in der Regel mit Ausschüttungen von Kapitalerträgen finanziert. Aus Stiftungen hören wir deshalb immer häufiger, dass sie nach Alternativen zu Anleihen suchen. Einige unserer spezialisierten Investmentansätze sind daher darauf ausgerichtet, kalkulierbare Erträge zu erzielen – zum Beispiel mithilfe von Optionsprämien. Für diese Investmentansätze haben wir ausschüttende Anteilsklassen eingeführt, die einen Teil der vereinnahmten Prämien wieder ausschütten. Ziel ist es, der Stiftung eine konstante Ausschüttungspolitik zu ermöglichen.

Wie kann Lupus alpha darüber hinaus Stiftungen in ihrer Missionserfüllung effektiv unterstützen?

Die Strukturierung des Stiftungsvermögens hat in einem Kapitalmarktumfeld mit Niedrig- und Negativzins einen erheblichen Einfluss darauf, den Stiftungszweck erfüllen zu können. Damit wird es wichtiger, sich mit alternativen Asset Klassen auseinander zu setzen. Denn oftmals bieten sie attraktive Risikoprämien und können wesentlich zu einer weiteren Diversifikation der Vermögensanlage beitragen. Nehmen Sie zum Beispiel die Risikoprämie „Volatilität“. Hierbei handelt es sich um eine echte Anlageklasse, deren Renditequelle in der Differenz zwischen heute erwarteter und morgen tatsächlich eingetretener Marktschwankung liegt. Die vom Anleger vereinnahmte Prämie, aus der sich die Rendite speist, kommt von Investoren, die ihre Portfolios gegen zu hohe Volatilität absichern wollen, künftige Marktschwankungen aber meist zu hoch einschätzen. Die Erfahrung zeigt, dass das eine ziemlich verlässliche Ertragsquelle ist. Das erkennen und nutzen immer mehr Stiftungen. In diese Richtung äußerte sich auch Eberhard Vetter, Leiter Kapitalanlagen der RAG-Stiftung, jüngst auf dem Lupus alpha Investment Fokus, einer Konferenz für institutionelle Investoren in Frankfurt „Für uns ist die Beimischung von Volatilitätsstrategien ein wesentlicher Beitrag zur weiteren Diversifizierung.“

Welchen konkreten Handlungsbedarf sehen Sie im deutschen Stiftungssektor?

Unsere für die Kapitalanlage ihrer Stiftung verantwortlichen Ansprechpartnern erzählen uns fast täglich, dass die typischen Renditeanforderungen von 3 bis 4 Prozent p. a. mit traditionellen Anlagen kaum noch zu erfüllen sind. Das in der Vergangenheit meist überwiegend in Anleihen angelegte Stiftungsvermögen ist nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr ist es viel breiter aufzustellen, um die Vorteile einer breiteren Diversifikation zu heben. Immer wichtiger werden damit Renditequellen aus alternativen Instrumenten. Im illiquiden Bereich ist diese Anpassung in Form von Immobilien, Infrastruktur und Private Equity bereits weit fortgeschritten. Jetzt geht es darum, auch im liquiden Bereich stärker alternative Risikoprämien ins Portfolio einzubauen.

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