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Der Stiftungsfonds - Eine Charakterstudie in fünf Kapiteln

16. Januar 2020 | Finanzen
In der FondsFibel für Stiftungen & NPOs finden Stiftungsverantwortliche alles rund um die Fondsanlage.

Kennen Sie noch Bernhard Grzimek? Bekannt wurde er vor allem dafür, einen Oscar für seinen Film „Die Serengeti darf nicht sterben“ erhalten und die Menschen sehr früh für das Thema Biodiversität sensibilisiert zu haben. Genau diese Diversität braucht es auch bei Stiftungsfonds bzw. stiftungsgeeigneten Fonds. Ein Grund mehr, sich dem Stiftungsfonds einmal in einer Charakterstudie zu nähern.

Kapitel I: Der Name

Ein Stiftungsfonds gehört zur Gruppe der Fonds, der Gattung nach ist er ein Sondervermögen, in das zum Zweck der Vermögensmehrung Kapital eingebracht werden kann. Manchmal führt der Begriff Stiftungsfonds sogar in die Irre, denn in manchen Fonds ist gar nicht das drin, was draußen draufsteht. Stiftungsfonds bedeutet dem Sinn nach, dass hier Stiftungen eine Lösung für ihre Ziele in der Kapitalanlage finden, wobei Stiftungsfonds auch als Untergruppe von stiftungsgeeigneten Fonds gesehen werden können. Denn zu stiftungsgeeigneten Fonds gehören nicht nur Stiftungsfonds, sondern eben auch andere Fonds, wie zum Beispiel Income-Fonds, ausschüttende Aktienfonds, Fonds mit Fokus auf ESG oder auch Immobilien- bzw. REIT-Fonds. Zu unterscheiden ist der Stiftungsfonds als Kapitalanlagevehikel vom Stiftungsfonds als Spenden- oder Zuwendungsvehikel.

Kapitel II: Das Wesen

Der Stiftungsfonds ist ein treuer Geselle. Er liegt meist lange im Habitat (s. Kapitel III), bewegt sich dort häufig nur sehr gemächlich, und wenn, dann getrieben von äußeren Einflüssen. Wird es also drumherum mal etwas lauter oder ungemütlicher, dann ist der Stiftungsfonds häufig durchaus etwas aktiver, etwas bewegungsfreudiger. Dennoch macht er es vielen Artgenossen nicht nach, jede noch so unwägbare Untiefe oder jede Höhe zu erklimmen. Auch ist der Stiftungsfonds ein gebefreudiger Fonds. Er ist ein Fonds, der darauf ausgerichtet ist, seinem Besitzer regelmäßig eine Freude zu machen. Fonds, die dieses regelmäßige Freudemachen nicht als Wesenszug ihr Eigen nennen, können eigentlich nicht als Stiftungsfonds bezeichnet werden. Und eines ist der Stiftungsfonds auch: Er ist ein recht transparentes Wesen, man kann leicht nachvollziehen, was gerade in ihm vorgeht.

Kapitel III: Das Habitat

Der Stiftungsfonds hat seine natürliche Umgebung in einem Wertpapierdepot. Dort fühlt er sich heimisch und entwickelt durchaus eine gewisse Nestwärme. Zu anderen Artgenossen in einem Wertpapierdepot zeigt er aber stets ein ausgeprägtes Konkurrenzverhalten, dennoch weiß er sich gut anzupassen und zu ergänzen. Dieses Habitat muss aber gut gewählt werden. Dazu gehört, dass die Eintrittsbarrieren niedrig sind. Ein artgerechtes Wertpapierdepot ist im Vergleich zu älteren und verstaubten Wertpapiersammelstellen mit wenig Aufwand verbunden, und für das Einsetzen des Stiftungsfonds wird auch kein Pflegeentgelt verlangt.

Kapitel IV: Die tägliche Arbeit mit dem Stiftungsfonds

Am besten wird der Stiftungsfonds mit einigen anderen stiftungsgeeigneten Fondsgenossen in einem Wertpapierdepot gemeinsam gehalten. Als Halter eines solchen Wertpapierdepots ist darauf zu achten, dass nicht fünf gleiche Stiftungsfonds nebeneinander gesetzt werden. Es sollte eine gute Mischung sein, aus ein, zwei ganz klassischen Stiftungsfonds und vielleicht noch zwei, drei Stiftungsgeeigneten Fonds. Diese sind vielleicht etwas verspielter und agiler, aber sie ergänzen eben die Verhaltensweisen des klassischen Stiftungsfonds auf gut nachvollziehbare und erklärbare Weise. Ganz wichtig in der täglichen Arbeit mit Stiftungsfonds ist aber eines: Stiftungsfonds und stiftungsgeeignete Fonds sollten von vornherein auf lange Sicht in das Wertpapierdepot gesetzt werden. Gut, erfahrene Wertpapierdepotler werden jetzt sagen, dass im Vorhinein niemand das Wesen eines Stiftungsfonds genau kennen kann. Dem sei aber entgegnet, dass die Ziele einer Stiftung ja bekannt sind, und wenn ein Fonds dem aus der Historie heraus gar nicht entspricht, dann passt er vermutlich sicher nicht zur Gruppe.

Kapitel V: Die Zukunft

Der Stiftungsfonds ist nicht gerade vom Aussterben bedroht, aber das Umfeld ist heute ein anderes als noch vor 10 oder 20 Jahren. Damals konnte er recht träge mit wenigen Ideen ganz gut über die Runden kommen, sein Besitzer war überglücklich mit dieser Art von Stiftungsfonds, denn er brachte ihm genau das, was dieser wollte. Sich heute jedoch wie früher zu verhalten, kann für einen Stiftungsfonds falsch sein, und es kann eine falsche Strategie eines Stiftungsverantwortlichen sein, an solchen Fonds festzuhalten. Entsprechend werden in immer mehr Habitaten andere stiftungsgeeignete Fonds gesichtet. Diese nennen sich dann zum Beispiel Income-Fonds, ausschüttender Aktienfonds oder REIT-Fonds, und sie passen sehr gut zum herkömmlichen Stiftungsfonds. Denn sie bringen häufig eine klarere Orientierung an den Bedürfnissen des Besitzers mit, und sind vom Ansatz her agiler und reaktionsfreudiger, ohne dabei auf bestimmte Belohnungen zu spekulieren. Sie sind bei allem dennoch sehr verlässlich.

In der Zukunft kann es also sein, dass im Wertpapierhabitat einer Stiftung die beste Mischung eine ist aus Stiftungsfonds und stiftungsgeeigneten Fonds.


Zusammengefasst: Der Stiftungsfonds ist der Stiftung wohlbekannter Artgenosse. Seit vielen Jahren arbeiten Stiftungen mit ihm und haben ihn schätzen und in manchen Fällen auch lieben gelernt. Seine Zuverlässigkeit und sein dem Menschen zugewandtes Wesen machen ihn zum gerne gesehenen Baustein in einem Wertpapierhabitat. Die sich ändernden äußeren Parameter jedoch legen einer Stiftung nahe, nicht mehr gänzlich auf Stiftungsfonds als Depoteinwohner zu setzen, sondern auch vermeintlich artfremde Fonds etwa aus der Income-Familie zu integrieren. Eine gesunde Mischung ist letztlich das Erfolgsgeheimnis. Oder wie wusste es Grzimek zu berichten: Es geht um die Artenvielfalt, denn dadurch klappt es auch mit dem Artenerhalt, also dem Schutz der Arten überhaupt.

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